Sonntag, 12. Dezember 2010

Bekenntnissablegung zum 3. Adventsonntag Gaudete

Endlich darf ich einmal: Die Rübenlese Schlägt zurück!
Proberedigt 3. Adventssonntag, Gaudete ---Lesejahr A (VK Homiletik)

Lieber Brüder und Schwestern,
Heute ist einer der Zwei Tage im Jahr, an denen man Rosa Messgewänder trägt. Und nicht nur die Farbe sondern auch der Name des Tages ist etwas Besonderes: Gaudete: Freut euch!
Was dieser Name bedeutet will ich in Verbindung mit dem heutigen Evangelium erklären. Dazu ist es wichtig, sich noch einmal einige Punkte des Evangeliums in Erinnerung zu rufen:

Johannes der Täufer sitzt im Gefängnis und dort hört er von den Taten Jesu. Er hat Jesus gekannt. Er ist der Ältere Cousin von Jesus und er hat Jesus im Jordan getauft. Jetzt im Gefängnis ist er verunsichert. So schickt er seine Jünger zu Jesus und lässt sie Fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?
Wie antwortet nun Jesus? –Seine Antwort ist ein Hinweis auf seine Taten. Berichtet Johannes was ihr hört und seht, dass ist alles. Und zuletzt sagt er noch über Johannes: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.

Johannes der Täufer im Gefängnis (von http://vitajesu.wordpress.com/2009/11/22/61/)
Jahre später sitzt im Gefängnis ein anderer Mann, dessen Name bedeutet: der Kleine, und der von sich selber sagt:
Als Letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der «Missgeburt».
Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, ... Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin...
Es ist Paulus! Und vom Gefängnis aus schreibt er die Worte, die dem heutigen Festtag den Namen geben: Freut euch im Herren zu Jeder Zeit! Es sind seine Worte, aus dem Gefängnis heraus geschrieben um die, die eigentlich frei sind aufzubauen und zu ermutigen. Noch einmal sage ich: Freut euch!
 Paulus im Gefängnis, Rembrandt

Der Eine, Johannes, hat Jesus leibhaftig gesehen und gekannt, er sitzt im Gefängnis und er weiß nicht wie er ihn einordnen soll. Er ist voll Ungeduld: Warum passiert nicht das, was wir erwartet haben vom Messias? Warum zeigt er sich nicht deutlicher? - Der Andere, Paulus, hat Jesus so nie gekannt oder gesehen er sitzt im Gefängnis und sagt: Gaudete, freut euch allezeit im Herrn!

Was ist der Unterschied? Warum hat Paulus mehr Vertrauen als Johannes? Es gibt doch keinen größeren unter den Menschen als Johannes? Oder wie es eigentlich im griechischen heißt: Unter denen, die von einer Frau geboren wurden gibt es keinen größeren als Johannes (meizon en gennhtois gunaikwn)?
Genau das aber ist der springende Punkt:

Auch Paulus hat Jesus gesehen, aber er hat ihn nicht kennen gelernt als er noch lebte. Nein! Er hat den Auferstandenen gesehen. Jesus selbst ist ihm Erschienen in Damaskus und hat sich ihm offenbart. Im Johannesevangelium sagt Jesus: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Paulus ist so aus dem Geist geboren worden, und so ist er als Glaubender nicht von einer Frau geboren worden, sondern eben aus dem Geist! An Paulus ist geschehen, was Jesus kurz vor seinem Tod gesagt hat: Es ist gut für euch, dass ich gehe, denn ich werde euch den Beistand senden, den Heiligen Geist. Durch den Heiligen Geist ist Jesus nicht mehr der Ferne, sondern der ganz Nahe, er ist nicht nur vor uns, jetzt er ist in uns.

Aber Johannes steht mit seinen Zweifeln nicht alleine da. Sogar den Jüngern Jesu, die Jahrelang mit ihm unterwegs waren und eingeweiht wurden in die Geheimnisse Gottes, fällt nach dem Tode Jesu nichts besseres ein, als wieder ihrer alten Arbeit nachzugehen. "Ich will fischen gehen"- "Wir kommen auch mit", dass ist das einzige, das Petrus und den Jüngern in ihrer Ratlosigkeit einfällt. Auch sie waren noch nicht aus dem Geist geboren. Das wird aber zu Pfingsten geschehen, wenn der Heilige Geist über die Apostel kommt, und sie sich dann nicht mehr fürchten und verstecken sondern der ganzen Welt das Evangelium verkünden.

Wenn man das Leben des Paulus betrachtet merkt man: Obwohl er Jesus selbst gesehen hat, den Auferstandenen Jesus, und obwohl er "in den dritten Himmel entrückt" wurde und "unsagbare Worte hörte, die ein Mensch nicht aussprechen kann", hat er nachher kein einfaches, schönes Leben gehabt. Er hatte große Schmerzen und musste Enttäuschungen hinnehmen. Legendär ist der Bericht seiner vielen Abenteuer und Rückschläge. Von mehrmaligem Schiffbruch über Prügelstrafen bis zu falschen Freunden kommt alles vor, was sich ein Mensch nicht wünscht im Leben. Genau weil er auch das alles kennt, kann er uns Mut machen, und uns sagen: Freut euch! In der Taufe und in der Firmung sind wir aus Geist geboren! Und der Geist macht uns frei! Einen Menschen, der wirklich frei ist, der ist auch in Gefangenschaft frei. Zur Freiheit hat uns Christus befreit. - Er will, dass wir ihn annehmen und zeigt uns den Weg, wie man es an Paulus sieht.

Zurück zu Johannes. In ihm können wir uns oft wieder finden. Er ist körperlich gefangen, eingesperrt, und ist verunsichert und zweifelt. So geht es uns oft im Leben. Wir sind von verschiedenen Dingen gefangen. Vielleicht ist jemand gestorben und man fragt sich, warum das sein muss. Wir sind dann verunsichert und verzweifelt. Aber gerade dann sollen wir daran denken: Das Leben auf dieser Welt ist nicht alles. Jesus sagt uns immer wieder: Habt Vertrauen, Vertrauen auf Gott, nicht auf die Welt.
Gaudete- Freut euch.
Amen

1 Kommentar:

Florianus hat gesagt…

nicht schlecht. die vorletzte bischofssynode hat sich über miese predigtqualität beklagt, ich denke, hier tut sich was ...

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