Samstag, 28. Mai 2011

Bibel zu brutal für die arme Jugend.....???

Nach einem wunderbaren Fortbildungstag mit einem großartigen Gregorianik Kenner gabs einen Kommentar von einem Mitte 50 jährigen Wortgottesdienstleiter, den ich hier paraphrasiert wiedergebe  (weiter unten das Gespräch fast im Wortlaut): 
Die Kirchen sind so leer, fast keiner versteht die Bibel und interessiert sich dafür.  Bei der Jugend etwa von Exorzismus zu reden ist die volle Zumutung, wir müssen das Wort Gottes wieder verständlich machen.
Dann meinte noch eine Frau: Soviel Gewalt im AT, das kann man doch keinem Menschen zumuten.

Die Antwort des Paters war ganz wichtig (siehe unten): Die Bibel verständlich zu machen ist nicht des Lektors Aufgabe- Nein, dass ist in der Messe die Aufgabe des Predigers, und zuhause der Eltern und in der Schule der Religionslehrer.

Und ich, ich bin mir missbraucht vorgekommen, und sprach das auch aus:
Denn da werden die Probleme (eines Teiles) meiner Elterngeneration einfach so auf die Jugend projiziert. Wie bitte? Für die Jugend ist die Bibel zu brutal? Und ich, ich Tor hab allen ernstes gedacht, die Jugend wäre selbst zu brutal. Und überhaupt, an einen Gott der Realitätsverweigerung glauben wir doch wirklich nicht. Da mokieren sich Leute über den brutalen Gott des AT, wie viele Millionen Menschen aber unseretwegen zugrunde gehen kümmert sie nicht, ...
Und so komische Dinge wie Exorzismus kann die Jugend nicht mehr verstehen? Jeder von uns hat Tausend Horrorfilme gesehen: Wer wenn nicht wir, die Jugend, versteht was ein Exorzismus ist- und übrigens schauen wir auch Nachrichten, das ist ja noch schlimmer! Also: Das einzige Problem der Jugend ist, dass sie die Bibel nicht hört und nicht liest. Wenn es aber doch passiert, dann ist es gerade die Jugend, die brennt, die mehr will von IHM. 
Also: Wird in einer "Kirchendiskussion" von der Jugend geredet, dann bitte ganz genau hinhören und schauen: Projeziert da nicht wer seine eigenen Probleme in die Jugend hinein? Instrumentalisiert sie? 

Ich hab dann auch noch eine sehr spannende Passage aus John L. Allen's Buch Das Neue Gesicht der Kirche, die Zukunft des Katholizismus, nacherzählt, die ich hier im Wortlaut zitieren will:

Dieser Kontrast [Säkularismus als Sonderproblem Europas vs. fast zu leichtgläubigen Rest der Welt] trat deutlich 2008 bei der vatikanischen Synode über die Bibel zutage. die Bischöfe aus Europa und Nordamerika warnten vor einer skeptischen, auf dem Säkularismus beruhenden Bibellektüre, während die Bischöfe aus dem Süden sich eher um das buchstäbliche Bibelverständnis und den Fundamentalismus sorgten, wovon viele ihrer Gläubigen durch die fast allgegenwärtigen evangelikalen und Pfingstler angesteckt werden. Umgekehrt äusserten manche Bischöfe ihre Sorge angesichts quasi magischer Formen der Bibellesung, die von eingeborenen religiösen Traditionen herkommen. 
Um den springenden Punkt so einfach wie möglich zu formulieren: Im Süden ist das Problem gewöhnlich nicht ein zu großer Skeptizismus gegenüber der Religion, sondern übertriebene Leichtgläubigkeit." (S 36f).

Und hier das Gespräch im Wortlaut:

Mann,55: Ich möchte etwas ansprechen, wir haben wunderbare texte, wir machen das alles bestens, aber 90% bestenfalls 80% der Leute interessiert das nicht. Ist das alles so richtig was wir da machen, wenn wir heute schauen, unsere gemeinde, bestenfalls haben wir noch 20% die noch den Gottesdienst besuchen, wir sagen, wir machen das alles wunderbar das ist alle wunderbar, es ist alles bestens. Wo ich große Schwierigkeiten habe, dass ist mit den Texten, dass die heute niemand mehr versteht, weil wenn da steht, da bei dem Beispiel ganz willkürlich heraus: Denn aus vielen besessenen fuhren unter lautem Geschrei die unreinen Geister aus. wenn ich das heute einem jungen menschen sage, der mit dem noch nie in Kontakt gekommen ist, wie möchten wir denn junge Leute ansprechen? Das ist ja heute schon ein Seniorenclub. Wie sollen wir das gestalten, dass das einen jungen Menschen interessiert, das er Überhaupt noch zuhört. Meines Erachtens ist die Bibel ja kein Protokoll das jemand mitstenographiert hat, sondern der Evangelist hat sich ja auch etwas dabei gedacht. Sollten wir die Texte nicht auch so gestalten das man sie heute versteht. Wir sind ja oft schon Betriebsblind...

(Eine Frau weist auf die brutalität im AT hin)

PATer: Es gibt verschiedene Gaben, die Gabe des Lektors, dessen Aufgabe es ist, dass die Lesung in sinnbezogener, deutlicher, klarer Weise verkündet wird. Es gibt andere, die haben die Gabe diese Worte aufzuschließen und zu deuten, und es gibt Andere, die haben wieder eine andere Gabe. Das ist je eine andre Gabe, sie sollten sich als Lektor nicht in die Aufgabe einmischen, uns von einer Gabe in Zweifel ziehen lassen,m die andere tun müssen. Das ist die Frage der Homilie, der Predigt, des Religionsunterrichts, der Eltern zuhause, wie die Eltern ihren Kindern begegnen in Sachen Hl Schrift Glaube und der gleichen, und da, entschuldige, da kommt deutliche Kritik, wir sind alle krank miteinander, die Kinder selber zu erziehen, ganz abgesehen davon, dass wir gar nicht mehr  in der Lage sind die Kinder christlich zu erziehen, und da muss wirklich um dem Wort Gottes den entsprechenden Gottbezug zu verleihen, muss jeder an seinen Ort das richtige tun, der Pfarrer gescheit predigen, der Lektor das Wort Gottes so wie es da steht verkündigen. Wir dürfen nicht das Wort Gottes verändern, wir müssen es aufschließen und Übersetzen. 
Sie können das wunderbar in der Sprache klar machen. Das Wort Übersetzen könne sie in drei Art und weisen sprechen Übersetzen, vom Lateinische im Wörterbuch: Pater heisst Vater, hm, das ist übersetzen, sie können aber auch sagen ÜBERsetzen, und da  meinen sie, da müsse sie nämlich von ihrem Horizont hinsteigen und in das andre Land fahren, und das Land als Tourist erkundigen. Das wird heute weltweit gemacht, mit dem Flieger, mit dem Schiffchen, mit allem wird Über- gesetzt. Müssen wir mit jedem Text machen, sie müssen Übersetzen zu dem Text, sonst kommt nichts rüber, dann gibt es noch eine dritte Möglichkeit, die spricht davon: üb ersetzen! übe das ersetzen, genau das ist ihr Anknüpfungspunkt. Es bleibt uns die Aufgabe, diese Texte in einer Übung zu Übersetzen auf das Heutige hin. Die Aufgabe ist ganz klar, nur: Sie haben diese Aufgabe nicht speziell, sie machen es in dem Maße, in dem sie es vermögen, ich mache es in dem Maße  in dem ich vermöge. aber  gefragt sind bei Übe das ersetzen die Eltern, die Religionslehrer und die Prediger. 
...
Ruben: Als wahrscheinlich Jüngster Teilnehmer hier würde ich auch noch gerne einen Satz oder zwei zu diesem Thema sagen wenn das geht, denn ich habe oft als junger Mensch das Gefühl das von meiner Elterngeneration und zT. auch Großeltern, dass da viel in die Jugend hineinprojiziert wird. Die haben selber ein Problem das zu verstehen, gerade aus ihrer Zeit heraus, nach dem Vaticanum, dem hl. Konzil wo nachher vieles falsch verstanden worden ist, und die Leute dann selber ein Problem haben. Ich, der ich noch halbwegs jugendlich bin und viel aktiv bin, da hab ich noch  nie erlebt das wir das nicht verstehen. Exorzismus: jeder von uns hat hundert Horrorfilme gesehen und kriegt mit was in der Welt los ist, was Besessenheit ist und so weiter. ich Glaube eher das das Problem ist eine Projektion, das wird verschoben auf die Jugend und wenn man dann den Blick auf die Weltkirche wirft, eine zweite Sache, ich habe gerade etwas interessantes gelesen Über die letzte Bischofssynode, wo dann das Dokument Verbum Domini rausgekommen ist....

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